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Gastbeitrag Seehofers in der FAZ

Heimat fördert Zusammenhalt

Horst Seehofer
 

Der CSU-Vorsitzende und Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur aktuellen Diskussion um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland geäußert. Das Thema Heimat treibe die Menschen um, stellte Seehofer fest: „Denn wer Heimat hat, für den werden Verluste fühlbar. Heimat geht verloren, wenn der Ortskern verfällt, die Nachbarhäuser leer stehen, wenn Infrastruktur verloren geht, wenn in den Städten Wohnungen nicht mehr bezahlbar sind oder in den strukturschwächeren Räumen geliebte Menschen wegziehen, weil sie nur an anderen Orten bessere Lebenschancen sehen.“ Politik schaffe nur Vertrauen, wenn sie etwas für die Menschen tue, so Seehofer. „Daher ist für mich eine heimatbezogene Innenpolitik eine Politik, die dort, wo Menschen in Deutschland leben, deren Lebensverhältnisse verbessert.“

Als konkrete Beispiele nannte Seehofer: „Heimat beginnt in den eigenen vier Wänden. Die Entwicklung der Mieten und des Wohneigentums ist das brennendste soziale Problem heute und in der Zukunft. Deswegen ist Schaffung von Wohnraum konkrete Heimatpolitik. Orte und Regionen sind Heimat. Den schwächeren Orten und Regionen muss geholfen werden, angefangen bei der Belebung von Orts- und Stadtkernen bis hin zur modernen Infrastruktur in den Bereichen Mobilität, Energie und Digitalisierung.“

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Heimat sei aber nicht nur der Ort, wo wie leben, sondern auch die Art, wie wir leben würden, so der Bundesinnenminister: „Diese Art zu leben, unsere offene Gesellschaft, ist Teil unserer kulturellen Identität. Die große Mehrheit der Deutschen ist zu Recht der Meinung, dass es in unserem Land kulturelle Gepflogenheiten für ein gutes Miteinander gibt. Unser Land ist kein neutrales Siedlungsgebiet, sondern aus ihm sind Traditionen und eine ganz eigene Kultur erwachsen. Deshalb ist das Thema Integration mit dem Thema Heimat verbunden.“

Heimat sei auch ein Integrationsgarant. „Wer dazugehören will, für den ist Integration selten ein Problem – zumal Zuwanderer hierzulande nicht nur gefordert, sondern auch massiv gefördert werden“, so der CSU-Chef.

Verunsicherung der Bürger

Das Ergebnis der Bundestagswahl 2017 hätte die Ernüchterung und Enttäuschung bei vielen Wählern über die Alltagsfolgen der Globalisierung und ihrer Entgrenzung zum Ausdruck gebracht. Seehofer: „Immer kurzlebigere Arbeitsverhältnisse, die Entgrenzung von Arbeitszeit und freier Zeit mittels neuer Technologien, die rasanten Veränderungen in städtischen Lebensverhältnissen, von denen der Anstieg der Mietpreise und die Verknappung des Wohnraums zu nennen sind, die gleichzeitige Entleerung und Verödung ländlicher Räume, die Zunahme außenpolitischer Konflikte und deren Ausstrahlung auf das Alltagsleben in Deutschland, die prekäre Situation der Europäischen Union und der Eurozone – dies alles sind Teile einer Gefühlslage vieler Menschen. Sie fühlen sich vom Umfang und der Geschwindigkeit der Veränderungen trotz wirtschaftlich guter Lage überfordert und orientierungslos zurückgelassen.“

Ehrliche Debatten führen

Der gesellschaftliche Zusammenhalt bedarf einer gemeinsamen Definition des „Raumes der Zusammengehörigkeit“, so Seehofer. „Dieses gilt es im Dialog zu erarbeiten. Zu diesem Dialog gehört Ehrlichkeit. Man bringt eine Gesellschaft nicht zusammen, wenn man Debatten nicht ehrlich führt. Daher steht für mich im Mittelpunkt, dass das Menschenbild des aufgeklärten Christentums kulturgeschichtlich zu den Wurzeln Deutschlands zählt und unsere grundgesetzliche Werteordnung prägt.“